Der Mensch und die Frage nach dem Sinn seines
Lebens

»Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen als
unser Bild, uns ähnlich.« Der Mensch ist demnach
als Ebenbild Gottes gedacht. Und weil Gott die
Liebe und die Weisheit ist, ist der Mensch so ein-
gerichtet, dass er diese göttlichen Kräfte aufnehmen
und verkörpern kann. Das ist seine Bestimmung
und seine besondere Würde vor allen anderen
Geschöpfen. Seit dem 19. Jahrhundert hat sich
jedoch ein anderes Bild vom Menschen ausgebreitet,
das ihn als Tier sieht, bestimmt von unbewussten
Trieben.

Die Stellung des Menschen, der mit einem Wort
von Herder »der erste Freigelassene der Schöpfung«
ist, ist die der Entscheidung. Zwischen Gott und
Welt gestellt, soll er sich für Gott entscheiden, um
nicht in die Unfreiheit zurückzufallen. Er ist die
Krone der Schöpfung und doch nur der Anfang
einer geistigen Schöpfung, die sich aus dem sterb-
lichen Menschen entfalten will.

Entscheidet sich der Mensch für die Richtung nach
oben oder innen, dann wird er in den Prozess einer
zweiten Geburt hineingenommen, die Jesus Christus
mit den Worten andeutete: »Wenn jemand nicht
von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes
nicht sehen.« Diese neue Geburt bringt den inneren
Menschen zum Vorschein. Gottes Geist ist dabei die
treibende Kraft. Doch der äußere Mensch kann den
Prozess mitwirkend begleiten. Swedenborg empfahl
das Meditieren der heiligen Schriften, die Übung
des Vertrauens, sinnvolles Tun, Engagement für
Religion, Menschlichkeit und Werte sowie die innere
Selbstbeschauung.

Den Menschen gibt es nur als Mann oder Frau. In
seinem Werk »Die eheliche Liebe« hat Swedenborg
die Dualität der Geschlechter und die Ehe gedeutet.
Die Ganzheit des Menschen ist zerbrochen. Unsere
Augen sehen nicht den Menschen, sondern ent-
weder einen Mann oder eine Frau. Die verlorene
Einheit kann jedoch in der ehelichen Liebe wieder-
gefunden werden. Und dann erweist sich die Ehe
als der Ort tiefer, religiöser Erfahrungen.
   
Buonarotti Michelangelo »Die Erschaffung Adams« Philipp Otto Runge »Der
Morgen«