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Alt 28.01.2009, 13:11
thnoack thnoack ist offline
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Swedenborg an Erik Benzelius

Erhalten am 30. April 1711

Mein gelehrter Freund und Bruder

Vor einigen Wochen erhielt ich Ihren mehr als nur angenehmen Brief, bei welchem ich mich unter anderem insbesondere darüber erfreute, dass Sie soviel Vertrauen in mich setzten und mir verschiedene Aufträge übertrugen, um deren Erfüllung ich mich mit grösstem Eifer bemühen werde. Was das 24-Fuss-Teleskop anbelangt, bestellte ich die Gläser dafür bei Marshal, dem Magister Valerius geschrieben hatte, und über den gesagt wird, dass er der einzige sei, der unter dem Patronat der Royal Society stehe. Diese Gläser sind über alle Erwartungen teuer, da sie vierzig Schilling kosten; ich weiss nicht, ob sie in Holland nicht billiger sind; andere im gleichen Geschäft berechnen fünfzig Schilling, so dass ich für Magister Valerius keine erwarb, da ich nicht wusste, ob er bereit war, soviel zu bezahlen. Wenn sie bereit sind und sich eine Gelegenheit ergibt, sie nach Stockholm zu transportieren, werde ich sie zusammen mit Marshals Brief senden. Letzterer hatte versprochen, sein bestes zu tun; er hat welche desselben Typs auf Bestellung in die Schweiz und nach Russland gesandt. Das Mikroskop und einige der Bücher werden folgen. Ich muss Sie inzwischen bitten, einen Kaufmann zu benennen, an den sich Marshal für sein Geld wenden kann, da ich an Mitteln knapp bin und es mir nicht gestattet ist, irgendetwas auf Kredit zu kaufen. Auch unsere schwedischen Kaufleute sind nicht bereit, mir Geld zu überlassen, sofern sie nicht die Erlaubnis erhalten, das Geld in Schweden zu beziehen, wobei sie dann in der Regel 33 bis 34 (schwedische Taler) pro Pfund belasten, statt 26 oder 27, wie dies der Fall ist, wenn das Geld hierher gesendet würde.

Würden Sie nicht gerne zur Verwendung der Bibliothek eine gute Luftpumpe mit sämtlichem entsprechenden Zubehör sowie den von Mitgliedern der Royal Society erfundenen Verbesserungen haben? Ich werde Ihnen in Kürze das Buch darüber, den Preis und eine Liste von allem, was dazugehört, senden. Es wurden drei davon nach Russland gesandt, da viele Russen hier sind. Sie studieren vor allem Mathematik und Navigation, indem sie sich um das Wohlgefallen ihres Führers bemühen, der anlässlich seines Besuchs hier ein bewundernswertes Interesse an diesen Themen zeitigte. Der Zar erwarb von Herrn Edmund Halley für achtzig Pfund auch seinen „unvergleichlichen Quadranten“, den er zur Entdeckung der südlichen Sterne in St. Helena verwendete und mit dem er 1683, 1684 und in anderen Jahren sehr gute Beobachtungen des Mondes und der Planeten anstellte.

Die Bücher, die für Sie zu besorgen, Sie mich baten, habe ich in sämtlichen Buchläden gesucht, konnte sie aber nicht finden. Band I von „Cotelerii Ecclesiae Graecae Monumenta“ fand ich bei einem Buchhändler in der Paternoster Strasse, aber ich hätte dafür wenigstens den Wert des gesamten Werks bezahlen müssen. Ich kaufte die alte Ausgabe von Norris’ „Reflections upon the Conduct of Human Life“ [Überlegungen über das Verhalten des menschlichen Lebens], da nichts Neues separat erschienen ist, sondern nur zusammen mit seinen anderen Werken, d.h. seine „Christian Blessedness” [Christlicher Segen], „Christian Monitor” [Christlicher Beobachter], „Dialogue between two Protestants” [Dialog zwischen zwei Protestanten], „Poetic Miscellany &c.“ [Verschiedene Poesie u. a.], was alles für insgesamt vierundzwanzig Schilling gekauft werden kann. Ich las dieses kleine Buch durch und fand es sehr klug und genial, aber es erschien mir, dass er zu viele Umwege wählte und nicht den Gegenstand berührte, den er behandelte, indem er einen ständig hängen und wundern liess, wie er enden und wohin er gelangen würde. Bacons „Reflections upon Learning“ [Überlegungen über das Lernen] habe ich zweimal gelesen, da ich darin meine erste Erleuchtung fand, aber ich wundere mich, warum er nicht etwas anerkennt, sondern alles, was entdeckt und geschrieben wurde für unvollkommen und seiner Achtung nicht würdig erachtet, und, ausser wenn dies die Absicht des Autors gewesen sein sollte, könnte dies gegen ihn zu seiner eigenen Rückweisung verwendet werden, da er sein eigenes Werk in die Aufzählung mit einschliessen muss.

Ich besuche täglich die besten Mathematiker hier in der Stadt. Ich war bei Flamsteed, der als der beste Astronom Englands erachtet wird und der ständig Beobachtungen anstellt und der uns zusammen mit den Pariser Beobachtungen dereinst eine korrekte Theorie bezüglich der Bewegung des Mondes und seines Appulsierens gegen die Fixsterne liefern wird. Mit deren Hilfe könnte die tatsächliche Länge auf See bestimmt werden, da er festgestellt hatte, dass die Bewegung des Mondes bisher auf keine Weise korrekt bestimmt wurde und dass dieselben Fehler oder Abweichungen, die in einer früheren Periode von achtzehn Jahren und elf Tagen festgestellt wurden, später erneut auftreten werden.

Newton schuf in seinen „Principia“ [Grundsätze] eine gute Grundlage zur Berichtigung der Unregelmässigkeiten des Mondes, er hat indessen die Tabellen nicht publiziert, sondern nur die reine Theorie. Er hat sie zudem bei der Präzession der Tagundnachtgleiche und den Perioden der Gezeiten korrigiert.

Würden Sie bitte Prof. Elfvius nach dem Meridian oder der Länge von Uppsala fragen - ich weiss, dass es ihm gelang, sie mit Hilfe einer Mondfinsternis sehr genau zu bestimmen – diese könnte mir von gewissem Nutzen sein.

Sie ermutigen mich, mit meinen Studien weiter zu machen, aber ich denke, dass ich eher entmutigt sein sollte, da ich ein solch „ungezügeltes Verlangen“ danach verspüre, insbesondere für die Astronomie und die Mechanik. Ich ziehe auch aus meiner Unterkunft einen gewissen Nutzen und wechsle sie öfters. Zuerst war ich bei einem Uhrmacher, dann bei einem Kunsttischler und jetzt bei einem mathematischen Instrumentenbauer. Von diesen stahl ich ihr Gewerbe, das mir dereinst von Nutzen sein könnte. Ich habe kürzlich zu meinem eigenen Vergnügen verschiedene Tabellen für die Länge von Uppsala und sämtliche Sonnen- und Mondfinsternisse, die zwischen 1712 und 1721 stattfinden werden, berechnet. Ich bin bereit, diese mitzuteilen, wenn dies gewünscht wird. Indem ich mich mit Astronomie befasse, um die Eklipsen und die Bewegung des Mondes ausserhalb der Syzygien zu berechnen, und mich damit beschäftige, die Tabellen zu korrigieren, damit sie mit den neuen Beobachtungen übereinstimmen, werde ich genug zu tun haben.

Wünschen Sie die „Philosophical Transactions“ [Philosophische Transaktionen], es handelt sich hierbei um alles, was die Royal Society seit Anfang 1666 freigegeben und entdeckt hat, sowie eine „Collection of some Natural Phenomena“ [Sammlung bestimmter Naturphänomene], publiziert 1707, für die Bibliothek zu besitzen? Wenn ja, so denke ich, dass ich diese für Sie beschaffen kann, obwohl sie sehr selten sind. Sie werden für das Publikum von grösstem Nutzen sein, insbesondere für jene Personen, welche die Erfindungen von Polhammar kommentieren möchten, da darin möglicherweise parallele Fälle vorkommen könnten. Das Buch ist für mich zu teuer. Sollten einige der Erfindungen Polhammars publiziert werden, so bitte ich Sie, mich darüber zu unterrichten, da ich durch diese eine Einführung bei bestimmten Mathematikern erhalten könnte, deren Bekanntschaft ich wünsche. In solchen Momenten wünschte ich mir sehr, dass ich zu Hause sein könnte.

Wenn Sie so freundlich wären und für mich einen Quadranten von Polhammars Bruder bestellen könnten, wäre ich Ihnen äusserst verbunden. Er sollte vier oder fünf Fuss lang und aus Messing sein. Wenn es geraten ist, dass er die Unterteilung machen sollte, dann wünsche ich, dass er es auf Grund der Art tue, wie sein Bruder einen sehr genauen für Prof. Spole berechnet hatte, welcher einen Fünftel jeder Sekunde anzeigt. Ich denke, dass mein Vater die Bezahlung dafür nicht ablehnen wird, falls er etwas erübrigen kann.

PS.: Grabes „Septuagint“ [Septuaginta] wurde vor kurzem publiziert, doch ich habe das Werk nur im Oktavformat zusammen mit einem kleinen Pamphlet im Quartformat über den Alexandrinischen Kodex gesehen. Er weilte eine gewisse Zeit lang hier, doch musste er seine Unterkunft jede Woche wechseln, sosehr wurde er von Besuchern überrannt. Ephraim Syrius wird als Foliant in Oxford sehr gut publiziert. Sie verlegten ein Buch all ihrer Dichter in zwei Bänden, sozusagen ein universeller Index. Ich hätte viel über die Ereignisse rund um den Gelehrten zu berichten, aber ich habe dazu weder die Zeit noch das Papier. In meinem nächsten Brief, werde ich Ihnen Bericht darüber erstatten, was ich über die Taten des Gelehrten gelesen habe. Ich befragte Graf Gyllenborg über Ihre Bücher. Er sagte, dass er Ihren Brief erhalten habe, jedoch nicht die Bücher. Sie werden beim Zoll zurückbehalten, bis der Zoll bezahlt ist. Es ist ein grosses Glück, wenn ich über sie etwas höre. Bei den „Vitis aquilonia“ [Nördliche Weinreben] handelt es sich um ein katholisches und abergläubiges Buch, dessen Einfuhr ins Land durch einen Parlamentsbeschluss im dritten Jahr von Williams und Marys Regentschaft verboten wurde. Wenn es ein anderes Buch war, würde ich versuchen, es für Sie zu bekommen, wenn es dann verfügbar wäre.

Geändert von thnoack (28.01.2009 um 13:43 Uhr)
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