Die wahre christliche Religion
Das Werk »Die Wahre Christliche Religion«, von Swedenborg im Jahre 1771 in lateinischer Sprache und ab 1784 von verschiedenen Übersetzern mehrfach in deutscher Sprache veröffentlicht, bildet zugleich den Abschluß und den Höhepunkt seiner visionären Theologie. Wenigen Menschen ist es vergönnt, noch im höchsten Alter derartiges zu vollbringen. Swedenborg war 81 Jahre, als er 1769 mit der Arbeit an diesem monumentalen Werk begann. Der Marburger Theologe Ernst Benz spricht mit Recht von einer einzigartigen Leistung. Das Besondere an Swedenborgs Schau und Offenbarung ist, daß sie von uns nicht das Opfer unseres Verstandesvermögens fordert, sondern im Gegenteil auf dessen Bedürfnisse Rücksicht nimmt, vorausgesetzt freilich, daß sie nicht bloßer Zweifelsucht, sondern dem Willen zur Wahrheit entspringen. In einer seiner großartigsten Visionen liest Swedenborg über der Eingangspforte eines kristallenen Tempels im Himmel die Worte: »Nun ist es erlaubt, mithilfe des Verstandes in die Geheimnisse des Glaubens einzutreten«. Das »Nun« will sagen, nachdem die Hauptlehren der christlichen Religion in göttlichem Auftrag von Grund auf neu dargelegt worden sind und infolgedessen den Gesetzen der Vernunft nicht mehr zuwiderlaufen. Die nachstehenden Auszüge beschränken sich bewußt auf die ersten drei Kapitel des umfangreichen Werkes. Dennoch sind es weniger als ein Zehntel davon. Wenn man das bei der Lektüre im Auge behält, wird man sich vor voreiligen Schlüssen hüten und vielleicht den Wunsch verspüren, das Ganze kennenzulernen. Aber soviel dürften schon die Auszüge deutlich machen: Hier handelt es sich wirklich um eine neue Lehre von Gott.
Quelle: Er sprach mit den Engeln: Ein Querschnitt durch das religiöse Werk von Emanuel Swedenborg, ausgewählt und bearbeitet von Friedemann Horn, Zürich: Swedenborg Verlag, 1994, Seite 253
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